Der Römertopf

Seit der Mensch Lehm und Ton entdeckt hat, verwendet man diese Materialien zum Garen von Speisen. Man kann zum Beispiel sein Gargut (klappt bestens mit Fleisch) direkt in weichem Lehm oder Ton einpacken und dann in die Glut eines Feuers legen. Man baut auf diese Weise einen kleinen „Backofen“, der durch die Feuchtigkeit ein fantastisches Garklima in seinem Inneren hat. Das Fleisch kommt nicht direkt mit der Glut oder dem Feuer in Kontakt, was natürlich auch fatal wäre und ein Vorteil, den diverse Naturvölker heute noch nutzen ist, dass Fellreste, Federn oder bei manchen Tieren auch Stachel, darin hängen bleiben, wenn man nach dem Garen die Tonkugel aufbricht.

Ich kann jedem empfehlen, der mal etwas Außergewöhnliches probieren will, sich im Bastelladen einen Block Ton oder Lehm (natürlich ohne Zusätze!!!) zu besorgen, ein Stück Fleisch darin einzupacken und in Glut zu garen. Genial! Wenn man dazu noch eine Schicht Heu und Kräuter um das Fleisch legt, bevor man es in Ton verpackt, kann man eine Geschmacksexplosion auf der Zunge erleben!


Doch kommen wir wieder zu den Töpfen! Es gibt zwei sehr bekannte und etliche unbekannte Töpfe. Die beiden bekanntesten sind der Römertopf und die Tajine. Eine (oder eher mehrere) Tajine gehört im gesamten nordafrikanischen Raum zum täglichen Leben. Mittlerweile hat dieses Kochgerät auch im Rest der Welt Einzug gehalten. Die Tajine hat allgemein eine runde flache Schale als Unterteil und ein hoch gewölbtes Oberteil. Die Form reicht von einer Glockenform bis zu einem spitzen Kegel. Ich werde nicht weiter darauf eingehen, da das Thema hier der Römertopf ist. Es gibt viele Parallelen, da sowohl Material, als auch der Verwendungszweck gleich sind.

Der Römertopf ist etwas anders gebaut. Dieses Kochutensil hat eher eine Bräterform. Es ist also eine Kastenform mit abgerundeten Ecken und Kanten, sowie schrägen Wänden. Das Unterteil ist etwas tiefer als das Oberteil, welches mit dem Unterteil perfekt zusammenpassen und dadurch dicht abschließen sollte. Wenn der Topf „verschlossen“ klappert, taugt er nichts! Es sollte innen ein Klima entstehen, das nicht entweichen kann. Wer also einen Römertopf kauft, der sollte ihn beim Händler auspacken und sich die Nähte genau ansehen, einen Klopftest wegen eventueller Risse machen und natürlich den „Klappertest“, ob der Topf wirklich gut abschließt. Wenn der Händler das nicht will, anderes Geschäft aufsuchen! Achja, sowas kauft man nicht im Internet!


Was bietet uns der Römertopf?

Ganz einfach: Ein geniales Geschmackserlebnis, das sowohl Vegetarier, als auch Fleischesser zufriedenstellt.

Ich trenne diese beiden Gruppen hier ganz bewusst, weil man auch die Töpfe trennen sollte. Wer also häufig oder fast ausschließlich mit dem Römer kocht, sollte mindestens 2 besitzen. Einen für Fleisch- und Mischgerichte und einen rein vegetarischen Topf.

Das hat einfach den Hintergrund, dass der Topf aus einem offenporigen Material besteht, das die Öle, Fette und Säfte des Gargutes, und somit auch deren Aromen aufnimmt. Wer also kein Fleischaroma im Gemüse haben will, der sollte einen Veggie-Römer haben.

Jetzt sind wir auch schon beim Thema „offenporig“. Was muss ich tun, um den Römertopf gebrauchsfertig zu bekommen? Klare Sache, ich muss ihn einarbeiten (einbrennen).

Das klingt jetzt vielleicht etwas kompliziert, aber ist wirklich einfach! Als erstes muss mal eine ordentliche „Antihaftbeschichtung“ her. Da diese nicht aus Teflon oder ähnlichen Materialien ist, müssen wir sie selbst aufbauen. Der erste gebrauch ist sehr wichtig, bzw. die ersten 5 bis 10 Benutzungen. Es ist also von Vorteil, wenn man nach dem Erwerb so heiß auf das Teil ist, dass man ihn ständig benutzen will.

Schritt 1 ist das Auspacken, dann mit klarem Wasser spülen, damit der Tonstaub weg ist. KEIN SPÜLMITTEL! Das Zeug sammelt sich im Ton an und wird dann wieder an das Essen abgegeben. Man ruiniert sich zusätzlich bei einem „eingearbeiteten“ Römertopf die „Beschichtung“, die man sich mühevoll aufgebaut hat! Das kann soweit gehen, dass man nach dem Spülen einen wunderbar rustikalen Blumentopf hat, weil er zu sonst nichts mehr zu gebrauchen ist. Also nochmal: FINGER WEG VOM SPÜLMITTEL!

Schritt 2 ist das Wässern. Vor Gebrauch wässert man den Römertopf möglichst mehrere Stunden, damit der Ton sich mit Wasser vollsaugen kann. Jetzt nehmen wir den Topf und bestreichen ihn INNEN mit einem guten (z.B. Oliven) Öl. Damit das Fett gut in die Wände eindringen kann, empfiehlt es sich, anfangs derbe Eintöpfe oder Fleischgerichte zuzubereiten. Bei der Veggie-Variante muss natürlich ordentlich Öl an das Gemüse.

Die Garzeit ist anfangs etwas länger und verkürzt sich im Laufe der Zeit, da sich die Wände immer mehr verschließen. Am Anfang brennt auch eher mal etwas an, aber das ist normal. Man kann auch ohne Speisen einbrennen, indem man einfach ein Öl-Wasser-Gemisch in den Topf gibt und diesen dann bei 200°C im Backofen langsam einköchelt. Es ist beides okay und schadet dem Topf nicht. Der Topf wird jetzt mit jedem Gebrauch etwas mehr Patina ansetzen und seine „schöne“ gleichmäßige Tonfärbung verlieren. Das ist nicht unappetitlich! Das soll so sein!

Kommen wir also zu Schritt 3, der Reinigung. Diese erfolgt NIE MIT SPÜLMITTEL! Als ideal konnte ich bei mir feststellen, wenn ich eine weiche Bürste und warmes Wasser verwende. Angebrannte Reste lassen sich damit gut entfernen. Sollte das nicht gleich funktionieren, weicht man das ganze ein wenig ein und schon geht es besser. Sollte das noch immer nicht den gewünschten Effekt bringen, nimmt man Essigwasser. Das klappt dann sehr sicher und schadet dem Topf nicht.

Jetzt kommt noch der Schritt 4, die richtige Aufbewahrung. Man sollte den Römertopf an einem gut belüfteten Ort aufbewahren, damit er „atmen“ kann. Optimal ist es, wenn etwas zwischen Ober- und Unterteil klemmt, damit auch hier die Luft „zirkulieren“ kann. Essstäbchen, die man nicht mehr braucht, erweisen einem hier einen tollen Dienst.

Wenn man alle Schritte befolgt, wird so ein Topf ein ewiger Begleiter in der Küche.

Als mein alter Römer durch einen Unfall verstarb, habe ich mir einen mit glasiertem inneren Unterteil gekauft. War mal ein Versuch. Meine Erfahrung damit ist besser als ich dachte, aber trotzdem nicht optimal.

Klarer Vorteil: da ich die Patina nicht brauche, ist er theoretisch spülmaschinenfest, was jedoch blödsinnig ist, da sich im restlichen offenen Ton die Reinigungsmittel ansammeln. Der Hersteller sagt dazu nichts außer „spülmaschinenfest“. Durch die Glasur ist die Reinigung echt sehr einfach (wobei ich die alte Methode mit Wasser und Bürste bevorzuge). Man muss ihn natürlich auch nicht einbrennen.

Das Garen ist absolut identisch, da das Klima im Topf gleich ist.

Und jetzt kommt der Nachteil: Der Geschmack!

Ja, es schmeckt sehr gut, da die Garmethode einfach ein tolles Aroma erzeugt. Leider sammeln sich durch die Glasur keine Öle, Fette und sonstige Säfte samt Aromen im Ton an. Das bedeutet, dass der Topf nicht seinen eigenen Charakter entwickeln kann. Schade! Ich werde ihn weiterhin benutzen, da ich die Bilder in einem „sauberen“ Topf einfach ansprechender finde, aber zum persönlichen Gebrauch muss ein anderer Römer ohne Glasur einfach sein. Es schmeckt einfach besser, wenn jedes darin gekochte Gericht zum nächsten Rezept seine Meinung beisteuert!

Wie dem auch sei, ob glasiert oder unglasiert... Das Kochen im Römertopf ist gesund, lecker und in jedem Fall ein Geschmackserlebnis.