Soleier

Soleier wie bei Oma


Ich erinnere mich an meine Kindheit zurück und auch an das Glas mit den leckeren Soleiern. Da ich Eier nicht nur zu Ostern esse, wenn auch in geringen Mengen, ist das ein Rezept für das ganze Jahr.

Man soll ja nicht so viele Eier essen wegen dem Cholesterin, aber in Maßen, statt in Massen geht das vermutlich schon.

Soleier haben einen sehr leckeren Geschmack, den man durch Kräuter und Gewürze noch etwas verfeinern kann. Da sind mal wieder dem Geschmack und der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Manche mögen sie mit Essig und/oder Zucker verfeinert, der Nächste schwört auf Zwiebelschalen (die ergeben dann auch ein nettes braunes Netzmuster auf den Eiern), kurz und gut, man kann sich austoben und macht es trotzdem nicht jedem recht.

Also mal zum Rezept:

Ich nehme für meine Sole Senfkörner, ein Lorbeerblatt und einen Zweig Rosmarin.
Da man hier nach einer alten Technik ohne Gewichtsangaben vorgeht, werde ich auch keine genauen Mengen angeben.

Wie man Eier hart kocht, brauche ich hoffentlich nicht zu erklären. Ich koche sie 10-12 Minuten, damit sie nicht von Eigelb zu Eigrün wechseln.

Dabei koche ich in einem zweiten Topf schon mein Wasser mit den Senfkörnern (2 EL) und einem Lorbeerblatt auf und lasse es ein paar Minuten köcheln. Dann von Herd nehmen.

Die Eier abschrecken, wenn sie fertig sind und beiseite stellen.

Jetzt rühre ich in das Wasser das Salz ein. Ich nehme Meersalz, aber das tut nichts zur Sache. Kochsalz geht natürlich auch. Man hat die richtige Salzmenge erreicht, wenn ein „Probeei“ darin schwimmt (s. Bild). Also immer wieder einrühren und auflösen, bis das Probeei frei schwimmt.

Man nimmt jetzt die Eier und knackt die Schale auf der Arbeitsfläche ringsherum an, damit das Salz und die Gewürze gut eindringen können. Das sorgt dann auch für das Netzmuster durch Zwiebelschalen oder andere färbende Zugaben. Bei meiner Mischung aus Senfkörnern, Lorbeerblatt und Rosmarin gibt es ein ganz zartes Grün.

Die Eier kommen jetzt angeknackt in ein verschließbares Glas, dazu der Rosmarinzweig und die Sole.

Das Glas stellt man an einen kühlen und dunklen Ort und läßt das ganze ziehen.

Nach und nach senken sich die Eier dann ab. Nach 3-4 Tagen sind sie „reif“ zum Verzehr.

Sie werden jetzt mit jedem Tag etwas würziger. Man sollte sie innerhalb von 4 Wochen maximal verzehrt haben. Den besten Geschmack haben sie nach etwa 10-12 Tagen.

Der Kenner schält und halbiert das Ei und entnimmt das Eigelb. Jetzt wird das Eiweiß mit etwas Salz und Pfeffer gewürzt und die Dottermulde mit Essig und Öl oder auch Senf gefüllt. Das ganze wird dann zusammen mit dem Eigelb in den Mund befördert und genüßlich verspeist. In den Tagen meiner Kindheit konnte man oft beobachten, wie die Herren in den Wirtschaften an der Theke dazu ein Bierchen und einen Korn zum bessern Rutschen des Soleis zum Einsatz brachten... Jaja, die gute alte Zeit. Ich kenne keine Kneipe mehr, in der es noch Soleier gibt. Ein Stück Kultur geht dahin!