Das Rehwild

Steckbrief:

Name: Reh
Lat. Name: Capreolus capreolus
Klasse: Säugetiere
Größe: etwa 60-80cm Schulterhöhe
Gewicht: bis etwa 25Kg Lebendgewicht
Sozialstruktur: Im Sommer Einzelgänger oder Ricken mit Kitz(en), im Winter in großen Gruppen (Sprünge)
Lebensraum: Feld und Wald
Aussehen: Im Sommer rot-braun, im Winter grau-braun, junge Kitze weiß getupft
Nahrung: Pflanzenfresser (Konzentratselektierer)
Die Kitze (1-3) werden je nach Witterung von April bis Mai gesetzt. Die Paarungszeit (Blattzeit) ist auch je nach Witterung im Juni/Juli.

Ein paar jägersprachliche Ausdrücke:

Männliches Tier: Bock
Weibliches Tier: Ricke
Einjähriges Tier männlich: Jährling
Einjähriges Tier weiblich: Schmalreh
Jungtier: Kitz
Ohren: Lauscher
Augen: Lichter
Kopfschmuck des Bockes: Gehörn / Stangen
Sprossen des Gehörns: Enden
Weißer Fleck auf dem Hintern: Spiegel
Maul: Äser
Heller Fleck auf dem Nasenrücken: Muffelfleck

Wissenswertes über das Rehwild:

Wie man im Steckbrief sieht, ist die Spanne zwischen Paarung und Setzzeit recht lang. Das liegt jedoch nicht an einer langen Entwicklung, sondern an einer Keimruhe. Die eigentliche Entwicklung geht erst im Winter los. Das hat die Natur nun mal so eingerichtet. Das Reh hat noch eine Besonderheit. Weiter oben steht das Wort „Konzentratselektierer“. Das bedeutet, dass ein Reh nicht auf faserreiches Gras und sonstiges Rauhfutter steht. Rehe bevorzugen feinste Kräuter, die sie lieben und mit Freude auf Wiesen suchen, und zarte Triebe oder Sprößlinge der Pflanzen. Wenn sie sich an Bäumchen gütlich tun, nennt man das Ergebnis „Verbiss“. Waldbesitzer und die Forstämter sehen das Reh daher gern als Schädling an und behandeln es auch so. Junge Buchen werden dabei besonders gern von den Rehen verbissen. Ein anderer Schaden der durch Rehwild entsteht, ist der sogenannte Fegeschaden. Die Böcke werfen ihr Gehörn jedes Jahr ab und bilden dann ein neues Gehörn aus. Man kann nicht an der Anzahl der Enden die Lebensjahre des Bockes ermitteln! Das Gehörn ist ein Knochengebilde und während des Wuchses mit einer Haut überzogen, die man „Bast“ nennt. Wenn das Wachstum des Gehörnes abgeschlossen ist, fegen die Böcke mit ihrem Gehörn an allerlei Pflanzen und Büschen, um diesen Bast abzuscheuern. Dabei wird die Rinde von Ästen und jungen Bäumen gewaltig geschädigt, was sich dann natürlich nachteilig auf deren Wuchs auswirkt. Der Bock markiert dadurch aber auch sein Revier. Er hat Duftdrüsen, die beim Fegen ihr Sekret auf den Ästen und an den Bäumchen hinterlassen. Andere Böcke merken dann recht schnell, wer da wohnt. Wenn es dann um die Ricken geht, kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Böcken.

In der Blattzeit kann man besonders bei schwülem Gewitterwetter die Böcke beim „Treiben“ der Ricken beobachten. „Blattzeit“ nennt man die Paarungszeit, weil man mit einem Buchenblatt wunderbar das Rufen der Ricken und Kitze nachahmen kann und damit die Böcke anlocken kann. Man nennt das dann „Blatten“ oder „Anblatten“.

Das Reh stellt für Mensch und Tier eigentlich keine Gefahr dar. Es ist ein friedliches Lebewesen, das recht scheu ist und meist allem aus dem Weg geht. Der Mensch stellt jedoch für die Rehe eine große Gefahr dar. Damit ist nicht einmal unbedingt der Jäger gemeint. Rehe laufen auf die Straßen, da sie Geschwindigkeiten schlecht einschätzen können. Die Unfälle sind nicht ganz ungefährlich für die Autofahrer, da Rehe lange Beine (Läufe) haben und einen hohen Schwerpunkt. Es kann daher leicht vorkommen, dass ein Reh nach dem Aufprall durch die Windschutzscheibe fliegt. In nahezu jedem Gebüsch, das neben einer Straße im Feld liegt, kann sich ein Reh befinden. Besonders gefährlich sind die Zeiten der Dämmerung, da das Rehwild zu diesen Zeiten in Bewegung kommt. Dummerweise die Berufspendler auch! Eine weitere große Gefahr insbesondere für Kitze ist die Heumahd der Wiesen. Die Kitze werden von den Ricken in den Wiesen abgelegt und weil es artige Kinder sind, bleiben sie dort liegen, bis der Mäher kommt. Man sieht sie kaum und ehe man reagieren kann, sind sie schwer verletzt oder tot. Hier kommt der Jäger ins Spiel. Wir suchen die Wiesen mit mehreren Personen und Hunden vor der Mahd ab und schaffen die Kitze aus dem Gefahrenbereich, damit sie die Mütter unversehrt wiedersehen. Nicht angeleinte Hunde stellen in der Zeit auch eine große Gefahr dar. Die Kitze bleiben liegen, selbst wenn sich ein Hund nähert. Sie verlassen sich auf ihre „Flecktarnung“. Wenn ein Hund sie erwischt, sind sie meist verloren. Ein Hund, der das Kitz zwar nicht tötet, hinterlässt doch seine Witterung am Kitz und die Mutter nimmt es dann nicht mehr an, somit ist es auch dem Tode geweiht. Mein Hund "steht vor". Das bedeutet, er bleibt ein ganzes Stück vor dem Kitz reglos stehen und winkelt einen Vorderlauf an. Er zeigt mir so an, dass etwas vor ihm ist. Er bleibt in dieser Stellung bis ich bei ihm bin und/oder etwas befehle. Ich kann ihn dann vom Kitz wegführen und dieses mit einem großen Bündel Gras vorsichtig vom Boden heben und an den Rand der Wiese bringen. Auf diese Weise hinterlasse ich keine "feindliche Witterung" am Kitz, die Ricke ruft später nur ein bis zweimal und schon sind die beiden wieder vereint.

Man kann also nur auf die Vernunft und Weitsicht der Autofahrer und auch der Hundehalter hoffen. Autofahrer sollten immer mit Wildtieren rechnen und Hundehalter besonders zwischen April und Juli ihre Vierbeiner an der Leine halten. In unserem Revier haben wir einen sehr guten und gesunden Rehwildbestand, der so auch bleiben soll. Für die Verwendung von Rehwild gilt die Gleiche Aussage, wie generell für alles Nutzwild. Das Fleisch ist gesund und schmeckt hervorragend. Auch vom Reh werden diverse Wurstsorten hergestellt und das Fleisch als Braten, Gulasch und vieles mehr verwendet.


 

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