Normandie 2014

 

Am 17. November 2014 ging der Kurztrip los. Mal eine Woche die Beine baumeln lassen und leckeren Fisch in der Normandie essen. Geplant war, die Küste von Belgien her kommend bis an den Omaha-Beach (D-Day, Landung der Alliierten) zu erkunden. Leider kam es etwas anders, da mich Zahnschmerzen und die damit verbundenen Problemchen dazu zwangen, die Tour bereits kurz vor Le Havre in Richtung Heimat abzukürzen.

Trotzdem war es sehr schön, daher hier mein Tourbericht:

Tag 1 (Erste Etappe) führte mich in die Nähe von Aachen, wo ich den Abend mit dort ansässigen Freunden verbrachte und mit dem WoMo deren Parkplatz in Beschlag nahm. Es war ein netter Abend, bevor die Tour dann am nächsten Morgen losgehen sollte. Danke an Katja und Robert für das gute Abendessen und das geniale Frühstück! First-Class Hotels können es nicht besser! Daumen hoch!

Tag 2 (Zweite Etappe) begann an einem recht zugezogenen Tag am Rande der Eifel mit einem ausgiebigen Spaziergang im Wald, damit mein Beifahrer (Percy) entsprechend leer die Strecke in Angriff nehmen konnte. Danach ging es auf die Autobahn in Richtung Brüssel. Als ersten Halt hatte ich mir Waterloo auserkoren, damit ich meine geschichtlichen Kenntnisse mal ein wenig auf Vordermann bringen konnte. Denken wir dabei mal über die Namen Wellington und Napoleon nach, die sich anno 1815 bei Waterloo ein fürchterliches Gemetzel lieferten. Percy ließ die Schlacht nochmal aufleben, indem er mit seinen eigenen Mitteln das damalige Schlachtfeld erneut verminte! Wie es sich für einen ordentlichen Touristen gehört, besuchte ich den "Butte du Lion" und das Panorama unterhalb der Pyramide. Hier sei zu erwähnen, dass ich es äußerst gut finde, dass Menschen mit Behinderung freien Eintritt haben. Der Aufstieg zur Löwenstatue war anstrengend, aber hat sich trotz des Nebels gelohnt. Leider sind dabei keine Landschaftsbilder möglich gewesen. Der Besuch ist jedenfalls ein Muss!
Von hier aus ging es dann mit mehreren Boxenstops wegen dem Hundchen und natürlich auch wegen Nahrungsaufnahme durch Belgien bis in die Region Oostende. Ich hatte mir im Vorfeld den Stellplatz in Nieuwpoort ausgesucht. Die Wahl war blendend! Knapp 10€ Standgebühr. Dafür gab es W-LAN und Strom inklusive. Der Stellplatz verfügt über saubere Duschen und Toiletten, die man für kleines Geld nutzen kann. Ver- und Entsorgung war also kein Problem und die Dusche war nach der Strecke eine Wohltat. In Nieuwpoort gibt es reichlich Einkaufsgelegenheiten und Restaurants mit allen Stilrichtungen von Imbiß über Tex-Mex bis Sterneküche. Die Nacht auf dem Stellplatz war ruhig und erholsam.

Tag 3 (Dritte Etappe) führte mich von Oostende in die Region von Abbeville, genauer gesagt zum Stellplatz in Le Tréport. Unterwegs galt es, die leckersten Muscheln, oder Krabben, oder Hummer oder Austern oder oder oder... zu finden. An der Küste sind der Fisch und die Meeresfrüchte nunmal erste Wahl. In den kleinen malerischen Fischerorten gibt es immer ein Restaurant oder eine Friterie. Hier bekommt man für faire Preise kulinarische Erlebnisse in einfachem aber gemütlichem Ambiente serviert, die in Deutschland nur in Spezialitäten-Restaurants mit entsprechender Preisgestaltung zu finden sind. Ich habe den Genuß dieser Köstlichkeiten so dosiert, dass die Grenze zum Eiweißschock immer knapp unterschritten wurde. Mein Hausarzt würde mich verfluchen, wenn er meine Blutwerte hätte! Egal... was schmeckt, muß auch gegessen werden!
Ich habe meine Pausen so gelegt, dass sowohl der Hund, als auch ich auf unsere Kosten kamen. Lange Spaziergänge durch die Dünen von Sangatte und Slack, anfangs schöne flache Sandstrände, die Percy zu Wasserspielen animierten und später dann beeindruckende Steilküsten mit schroffen Kalkwänden. Man gelangte hier über angelegte Treppen bis zum Wasser. Mein Drahthaar-Rüde fand das Wasser toll und versuchte trotz Chancenlosigkeit die Möwen zu erhaschen. Ich war rein optisch sehr beeindruckt. Die Fahrt ging direkt an der Küste entlang über Boulogne-sur-Mer nach Étaples. In Étaples ist die Steilküste beeindruckend. Leider gibt es noch etwas Beeindruckendes, das in meinen Augen nicht sein müßte. Ich meine den Militärfriedhof. Wer diesen Friedhof besucht (es gibt entlang der Küste viele dieser Friedhöfe), sollte sich einfach mal die Zahlen vor Augen halten, die auf den Gedenktafeln stehen. Wenn man dann die Grabsteine sieht und bemerkt, dass jeder für ein ausgelöschtes Leben steht, wird einem die Sinnlosigkeit von Kriegen erst richtig bewußt. Von hier aus bin ich über Saint-Valery-sur-Somme bis nach Le Tréport gefahren. Die Strecke ließ sich mit dem WoMo angenehm fahren. Es gab auch genügend zu sehen und Spaziermöglichkeiten für den Hund. Der Stellplatz in Le Tréport liegt in der Nähe des Hafens, wodurch eine leichte Geräuschkulisse vorhanden ist. Der Wind stand jedoch günstig, damit waren die Geräusche fast komplett nicht zu hören. Die Kosten lagen bei 9,50€ für die Nacht (inkl. Strom, Wasser, Ver- und Entsorgung). Absolut fairer Preis. Alle Plätze hier sind leicht schräg, wodurch der Einsatz von Auffahrkeilen angesagt ist. Trotz des Monats November standen immerhin 30 Mobile auf dem Platz! Ich bin anscheinend nicht der einzige Bekloppte, der im November durch die Normandie fährt! Es folgte eine ruhige Nacht und ein schmerzhaftes Frühstück! Kalter Kakao und ein herzhafter Biss in mein Brot machten mir klar, dass ein Provisorium eben halt kein vollwertiger Zahnersatz ist! Es folgte trotzdem die nächste Etappe!

Tag 4 (Vierte Etappe) bagann, wie erwähnt, mit heftigen Zahnschmerzen. Die waren so unangenehm, dass mir kurz der Kreislauf in die Knie ging. Ich hatte erste Zweifel, ob es eine gute Idee ist, in dem Zustand noch weiter zu fahren. Auf dem Weg über Dieppe nach Fécamp wurde der Gedanke eines vorzeitigen Abbruchs der Tour immer deutlicher, wie auch der Schmerz im linken Unterkiefer. Egal.... es gibt ja Tabletten! Rein damit und weiter. Kurz vor Fécamp ging es nochmal mit dem Hundchen in Val-de-Mer ein wenig im Meer baden. Die Steilküstenabschnitte rund um Fécamp sind wirklich der Hammer! Purer Genuß für Mensch und Hund, jeder auf seine Weise! Ich fuhr weiter über Froberville nach Étretat, wo mir dann endgültig die Zahnschmerzen zu sehr an die Substanz gingen. Ich hätte mich am liebsten nach Deutschland zu  meinem Zahnarzt zurück gebeamt, aber leider lagen da lockere 900Km zwischen mir und der Lösung meines Problemes. Es gibt zwar auch in Frankreich Zahnärzte, aber ich habe lange gesucht, bis ich meinen gefunden habe. Da ist Vertrauen nötig, also langsam mal Ostkurs einschlagen und ab durch die hohe Normandie!
Die Strecke führte mich über Rouen und Beauvais nach Compiègne. Wobei ich diese Route auch für die Rückfahrt geplant hatte, aber noch nicht zu diesem Zeitpunkt! Ein paar Kilometer südlich von Compiègne liegt Morienval, wo ich auf den dortigen Stellplatz wollte. Vorher mußte jedoch das Problem mit der gelb leuchtenden Zapfsäule in meiner Armatur gelöst werden. Ich fuhr schon eine Weile auf Reserve durch Compiègne, also galt es eine Tanke zu finden. Ich vermutete, dass dies am einfachsten in einem der Einkaufsgebiete funktionieren würde. Recht gehabt! Da war eine Einfahrt zu einer Tankstelle.... Freude war groß, doch leider mein WoMo auch! Dachhöhe der Tankstelle: max. 3,10m, WoMo: 3,17m! Also die Schweißperlen auf der Stirn (ich wurde langsam nervös) ignorieren und weiter suchen! In der Innenstadt wurde ich fündig. Nu aber nix wie ab nach Morienval! Im Wald von Compiègne hatte ich noch ein Erlebnis der besonderen Art. Es standen Warnschilder mit der Aufschrift "Chasse on Cours" am Straßenrand. Mit anderen Worten, da wurde gejagt. Als ich gerade darüber nachdachte, was die Wildschweine in meinem Revier wohl im Augenblick so treiben, gingen direkt vor mir etwa 20 Wildschweine von 60-80 KG über die Straße. Das Bild war völlig unterbelichtet und nicht zu verwenden. Schade, weil das war echt beeindruckend! Ich erreichte den schönen und ruhig am Ortsrand gelegenen Stellplatz in Morienval nach ca. 20 Minuten Fahrt. Auch hier fairer Preis für schönen Platz. 8€ für den Platz zuzüglich 2€ für Strom und V/E. Habe mich hier wohl gefühlt (wie auch auf den Plätzen vorher)!

Tag 5 (Fünfte Etappe) wurde dann auch etwas von mir geändert. Eigentlich sollte der Rückweg über Luxemburg führen. So fing ich die Route auch an. Da ich durch meine Zahnschmerzen etwas mautfreundlicher gestimmt war, fuhr ich vorbei an vielen malerischen Chateaus durch die hohe Normandie in Richtung Autobahn. Tolle Strecke, viel Wild am Rande der Straße. Vom Wildschwein über Rehe, bis hin zu Hasen und Fasanen tummelte sich wirklich die ganze Palette von Wildtieren neben der Straße. Da hieß es nicht nur wegen der Kurven vorsichtig fahren! Der Weg verlief über Soissons nach Reims. Auf der Autobahn habe ich dann nur aus Spaß mal beim Navi die Taste "Nach Hause" gedrückt und war schockiert! Die Ankunftszeit wurde mir mit 14:17 Uhr angegeben! Augenblicklich schaltete sich mein zahnbedingter Stalldrang wieder ein und mein innerer Schweinehund machte mir klar, dass dies über Autobahn doch gar kein Problem sein sollte. Kurz und gut, ich habe mir Luxemburg vom Plan gestrichen und einen Tag weniger "auf Tour" in meinem Hirn manifestiert. Der Kurs in Richtung Saarland lag an und die Autobahn war angenehm leer und ließ sich gut fahren. Eines ist bei französischen Autobahnen wirklich erwähnenswert! Es gibt hier normale Rastplätze (ohne Tankstelle oder Bewirtschaftung!), die über V/E-Anlagen für Wohnmobile verfügen! Tolle Sache! Sollte man in Deutschland auch mal einführen. Die WoMo-Fahrer wären begeistert! Hier also mein Aufruf: Liebe Politiker, bevor ihr euch die Münder über Maut franselig quasselt, ohne eine wirklich vernünftige Lösung zu finden, denkt auch mal über die Aufrüstung unserer Autobahnpark- und Rastplätze nach!
Die Strecke ging wie im Flug! Erst durch die Champagne, dann durch das Saarland und die Weingebiete Deutschlands bis ins schöne Hessenland und damit meine vulkanische Heimat, den Vogelsberg.
Einen riesigen Fehler habe ich auf der Rückfahrt gemacht, vor dem ich andere, die eine ähnliche Tour planen, warnen möchte. Wer an der Küste unterwegs war und sich auf dem Rückweg befindet, sollte nicht den Fehler machen, aus sentimentalen Gründen nochmal Fisch essen zu wollen und dafür dann bei einer Fischrestaurantkette zu essen. Es war enttäuschend im Vergleich zu den einfachsten Fritterien an der Küste!

Fazit: Die Normandie ist selbst in der kalten Jahreszeit eine Reise wert (oder vielleicht gerade dann?)! Das Klima an der Küste ist angenehm mild, das Essen ist phänomenal, besonders, wenn man Fisch und Meeresfrüchte mag! Die Stellplätze sind preislich fair und sauber. Man findet sie in ausreichender Anzahl entlang jeder zu planenden Strecke und Frankreich ist sowohl entlang der Strecke, als auch auf den Stellplätzen sehr hundefreundlich.

Für mich steht fest, dass ich wiederkomme. Dann vielleicht kurz nach der Hauptsaison und diesmal dann mit Frau!


 

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