...in Thüringen 2014

 

Wir haben beschlossen, am Tag der deutschen Einheit mal eine kleine Tour durch Thüringen zu unternehmen. Der 3.10. ist das passendste Datum für solch eine Unternehmung. Das Wohnmobil (auch Wally oder Waltraud genannt) wurde gepackt, die Hunde verstaut und los ging es mit Ostkurs. 09:50 Uhr mittelhessischer Zeit war Abfahrt. Alle Beteiligten waren bester Stimmung, doch dann meldete sich die A5 zu Wort. Allerfeinster Stop'n'go-Verkehr, der durch die Verkehrsmeldung bestätigt wurde und sich noch weiter bis Bad Hersfeld ziehen sollte. Keine Lust auf sowas, chillige Tour wurde klar bevorzugt, also runter von der A5 und den Vogelsberg genießen bis bad Hersfeld.

Die Fahrt durch die Frühnebel der Wälder und Felder gestaltete sich so malerisch, dass wir beschlossen, den Chill-Modus weiterhin zu nutzen. Kurzerhand wurde die Fahrt über Landstraße fortgesetzt. Die Strecke verlief von Hersfeld aus über Vacha nach Eisenach. Von dort über Gotha und Nohra weiter bis Bad Berka. Hier war die erste Übernachtung angesagt. Bad Berka ist ein nettes kleines und malerisches Städtchen, in dem schon Goethe nebst Weib gekurt hat. Wenn man nach den Schildern an den Häusern geht, muss der gute Mann in nahezu jedem Haus schon Gast gewesen sein. Werbung ist einfach alles! Schön fand ich die Aufschrift auf einer Tafel an einem Haus, dass Goethe hier NICHT zu Besuch war. Leider hatte ich die Kamera nicht mit! Bad Berka bietet einige Restaurants, die mit typisch thüringischen Gerichten zu fairen Preisen aufwarten. Das gilt übrigens für die ganze Region. Gutbürgerlich und bezahlbar. Das erklärt auch, warum die Gaststätten reichlich frequentiert werden. Es ist nicht das Nichtrauchergesetz, das die Gäste abschreckt! 

Kommen wir von Goethe zu Luther. Ist ein unlogischer Sprung, aber der liegt ganz einfach daran, dass unweit der Goethe-Stadt Bad Berka die Luther-Stadt Weimar zu finden ist. Für alle Orte, durch die wir kamen gilt grundsätzlich, dass man in den älteren Randlagen noch den Charme der alten DDR-Häuschen findet. Die antiken Bauwerke in den Städten sind sehr schön restauriert und die Straßen sind entweder nagelneu oder grottenschlecht. Quasi ein digitales Verkehrsnetz... 0 oder 1. Es gibt dazwischen keine Grauzone. Wir haben ein wenig eingekauft und sind dann zu einem sehr düsteren Ort mit einer ebenso düsteren Geschichte gefahren.

Etwas außerhalb von Weimar liegt auf den Hügeln das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald. Es ist schon seltsam, dass an einem sonst so malerischen Ort eine derartige Hölle zu finden ist. Interessant ist das Gefühl, das sich in einem ausbreitet, wenn man sich auf der Zufahrt zum KZ-Gelände befindet und dem Lager immer näher kommt. Beklemmung trifft es am ehesten. Normalerweise ist in jedem Wald, den wir bisher kennengelernt haben eine fröhliche Geräuschkulisse von rauschenden Bäumen, Tierstimmen und Vogelgezwitscher. In Buchenwald herrschte eine unglaubliche und bedrückende Stille. Überall wo Parkplätze für Besucher angelegt sind, kann man im Normalfall Spatzen und andere Vögel sehen, die sich aus den Proviantresten der Besucher ihren Anteil holen. Hier nicht! Es war bedrückend!
Wir haben den Lagerkomplex besichtigt und in einer sehr sonderbaren und für uns befremdlichen Stimmung wieder verlassen. Es war eine friedliche und ruhige Stimmung, die aber durch die ausgestellten Dinge und die gespenstige Örtlichkeit alles andere als positiv war.
Jeder der in der Nähe ist, sollte diesen Ort besuchen und einmal in sich gehen und das alles auf sich wirken lassen. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Die Bilder sprechen ihre eigene Sprache, auch wenn sie bei weitem nicht das Erlebte wiedergeben können.

Unsere kleine Reise setzten wir in Richtung Erfurt fort. Leider war "Wetten Dass..." in Erfurt und zusätzlich noch ein Camping-Club auf einem Ausflug. Wir fanden also keinen Stellplatz und schwenkten dann nach Bad Langensalza, wo wir jedoch auch keinen vernünftigen Platz fanden. Der Platz war leider völlig schräg und hatte auch keine freie Stromversorgung mehr, sollte aber 7€ kosten, was mir dann überhaupt nicht in den Kopf wollte.
Kurze Pause, kleiner Spaziergang und weiter ging es durch die kleinen Ortschaften auf der Suche nach einem Nachtlager. Wir fanden ein tolles Restaurant mit ungarischer Küche und ein paar kleine Orte weiter einen netten Parkplatz mitten im Ort. Es war zwar direkt neben der Kirche, aber das war uns egal. Glockengeläut kennen wir zuhause auch!

Nach einem guten Frühstück traten wir den Heimweg an. Natürlich entschieden wir uns wieder für die Landstraße, da es einfach nur ein Genuss ist, die weiten Felder und Wälder Thüringens zu durchfahren. Am Hautsee legten wir eine längere Pause mit einem ausgedehnten Spaziergang ein. Die alten knorrigen Bäume sind einfach sehenswert. Man fühlt sich irgendwie schon fast wie ein Hobbit auf dem Weg durch den Fanggornwald in Richtung Mordor.

Fazit: 560 Km durch Thüringen waren entschieden zu wenig. Wir kommen ganz sicher wieder. Es gibt noch derart viel an Kultur, Architektur, Natur und Menschen zu erkunden, dass wir nochmal unsere östlichen Nachbarn besuchen müssen.


 

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